MUSCULUS ILIOPSOAS

UNSERE ARCHAISCHER KAMPF-UND-FLUCHT-MUSKULATUR – ODER AUCH DER MUSKEL DER SEELE
Der „Musculus iliopsoas“ gehört zur inneren Hüftmuskulatur und besteht aus dem Musculus psoas major, dem Musculus iliacus (und in manchen Fällen aus dem Musculus psoas minor). Diese Psoas-Muskelgruppe verläuft im unteren Rückenbereich und verbindet den Oberkörper mit dem Becken und den Beinen. Dadurch sorgt sie unter anderem für einen aufrechten Gang und eine korrekte Ausrichtung von Beinen, Becken und Wirbelsäule. Wir benutzen diese Muskulatur nicht nur unbewusst, wir nehmen ihre Verspannung auch nur indirekt wahr, da diese sich weiträumig auf den Lendenbereich, das Becken und auf die Beine/Knie/Füße auswirken kann.
Auch können sich Verspannungen über die fasziale Verbindung zum Zwerchfell auf die Atemfunktion und den Rumpf auswirken und somit auch zu Schmerzen im gesamten oberen Rücken und im Schulterbereich führen. Im Umkehrschluss können ausgleichende Lendenmuskel-Übungen (Kraft, Bewegung, Dehnung, Entspannung) für eine freiere Atmung, einen dynamischeren Beckenboden, eine verbesserte Körperhaltung sorgen. Darüber hinaus gelten die Lendenmuskeln als die „Kampf-und-Flucht-Muskeln“ des menschlichen Körpers und spielen somit eine wichtige Rolle bei der Traumaspeicherung und Traumaheilung. Bei jeder stressigen oder gar traumatischen Erfahrung ziehen sich die Psoas-Muskeln also zusammen, um uns entweder kampf- oder fluchtbereit zu machen.

NEUROGENES ZITTERN – DIE IN UNS ANGELEGTE PROBLEMLÖSUNG
Nach einem anstrengenden Arbeitstag kann bereits ein heißes Bad Erleichterung bringen. Bei andauernden Stressphasen oder traumatischen Erlebnissen reicht das jedoch nicht mehr aus. Ursprünglich hält der Körper eine instinktive Problemlösung bereit: „Das Zittern nach überstandener Gefahr“ ist ein natürlicher Körperprozess => neurogenes Zittern*, bei dem die überschüssige Energie sofort wieder entladen werden kann. Genau wie Fluchttiere verfügen auch wir Menschen über diesen Mechanismus, haben ihn jedoch im Laufe des Sozialisierungsprozesses unterdrückt, weil es nicht besonders „chic“ ist, sich in aller Öffentlichkeit zu schütteln oder auch, weil wir nicht schwach oder ängstlich erscheinen wollen. Diese Egokontrolle bringt den Körper und den Verstand in einen Konflikt. Der Körper will sich schütteln, um überschüssige Energie zu entladen, aber der Verstand boykottiert diese Selbstheilung. Somit bleibt die gesamte Anspannung im System und potenziert sich mit jeder weiteren Stresssituation.

*siehe: Peter Levine, David Berceli